Kolumne - März 2020

Talente - Potenzial

Was sind unsere Talente und woher erhalten wir diese? Sind unsere Talente deckungsgleich zu dem was wir als Potenzial in uns tragen? Mit diesen beiden Fragen wollen wir uns hier beschäftigen, sie bewegen uns als Menschen, denn sie enthalten die Ur-Frage nach dem Wer bin ich? welches im Orakel von Delphi in der Aufforderung nach dem Erkenne Dich selbst mündet. 

Den einen Menschen wird diese Suche bereits sehr früh umtreiben, jedoch spätestens dann, wenn es darum geht ganz konkret mit der Berufswahl „in den Ernst des Lebens“ einzutreten.

Doch dabei bleibt es bei den meisten Menschen im Verlaufe ihres Lebens meist nicht und insbesondere in Krisensituationen, wenn alte Konstrukte nicht mehr greifen und verlassen werden, -sei es freiwillig oder durch im Äußeren bedingte Veränderungen-, wird dieses immer wieder einmal zu einer drängenden Frage. Dabei scheint es mir, dass bei der wiederholten Beschäftigung damit, immer weitere, tiefere Schichten der eigenen Persönlichkeit aufgesucht werden wollen.

Wenn wir uns zunächst einmal die Wortherkunft ansehen, so finden wir für die Definition des Wortes Talent diese interessante Verwendung in uralten Zeiten: Talent (griech. talanton für Waage, Gewicht) war eine ursprünglich altbabylonische Maßeinheit der Masse (Traglast eines Mannes) und wie andere antike Masseeinheiten wurde das Talent durch Aufwägen von Silber (seltener Gold oder Kupfer) als Währung benutzt.

Wir sehen also, dass dieser Begriff zur Beschreibung von etwas äußerst Wertvollem eingesetzt wurde, das offenbar mit dem wertvollsten Gut dieser Zeit bewertet wurde, mit dem das Überleben gesichert war, indem damit Handel getrieben werden konnte: mit Gold und Silber.

Das bringt uns sofort wieder zurück zu dem Umtrieb rund um unsere Berufswahl, die ebenso die Basis für die Erlangung von existenziell notwendigen Gütern dient. Was benötigen wir denn, um erfolgreich einen Beruf erlernen und ausüben zu können, den wir dann über viele Jahrzehnte durchführen wollen oder müssen? Aus der eigenen Erfahrung wissen wir als erwachsene Menschen, dass wir sämtliche Fertigkeiten, die wir je erlernt haben umso leichter erlernen und mit Freude dauerhaft tun können, wenn es sich um etwas handelt das uns leicht fällt, nicht wahr?

Aber warum fühlt sich der Eine zu jener Tätigkeit hingezogen und sie geht ihm nach dem Erlernen anhand des dazugehörigen Handwerkszeugs und mit ausreichenden Übe-Vorgängen leicht von der Hand und der nächste Mensch zu etwas vollkommen anderem? Hier muss es doch also einen innenliegenden, individuellen Antrieb geben, denn äußerlich sind wir als Menschen alle mehr oder weniger mit unseren physischen Körpern gleich ausgestattet.

Wer als Eltern das Wunder der Geburt eines gesunden kleinen Menschenkindes erlebt und seine darauffolgende Entwicklung, der erkennt bei sorgsamer Beobachtung, dass selbst das kleine Baby bereits ein fix und fertiges Menschlein ist. Und nicht nur was den Körper anbelangt, sondern auch hinsichtlich seiner Charakterzüge die es mitgebracht hat. Wenn wir Geschwisterkinder diesbezüglich anschauen, erkennen wir völlig unterschiedliche Individuen. Somit kann die Erziehung in meinem Verständnis dazu nicht die Ursache dessen sein.

Aus dieser Erkenntnis ergäbe sich für mich die Ableitung der innenliegenden, individuellen Antriebskräfte und diese sind offenbar die uns mitgegebenen Ressourcen, unsere Talente.

An diesem Punkt erinnere ich mich an das Gleichnis von den anvertrauten Talenten aus der Bibel in den Evangelien nach Matthäus 25,14–30 und nach Lukas 19,12–27:

„Jesus schildert einen Herrn, der seine Knechte reich mit finanziellen Mitteln ausstattet, sich dann auf Reisen begibt und nach seiner Rückkehr Abrechnung hält. Die ersten beiden Knechte erwirtschaften Gewinn und werden ihren Leistungen gemäß entlohnt. Das Geld des Letzten hingegen, der aus Angst gar nichts investierte und es stattdessen verbarg, lässt der Herr wegnehmen und spricht es nach dem Grundsatz „Wer hat, dem wird gegeben werden; wer nicht hat, dem wird genommen werden“ dem Erfolgreichsten zu.“

Hieraus können wir offenbar ableiten, was es gilt mit diesen Talenten hier in unserem Erdenleben zu tun. Wir sollen sie einsetzen und „veredeln“, indem wir mit ihnen arbeiten und das Ergebnis in den Ausdruck bringen.

 

An dieser Stelle gehe ich auf den zweiten Kernbegriff ein, das Potenzial. Nehmen wir zunächst erneut Bezug zu der Wortherkunft: lat. Potentia: Macht, Kraft, Leistung.
Aus dieser Betrachtung heraus lässt sich die zu Beginn dieses Artikels gestellte Frage nach der Synonymität von Talent und Potenzial beantworten.

Es ist aus meiner Sicht nicht absolut gleichzusetzen, da wir es bei dem Potenzial mit einer Benennung der dahinterliegenden Kraft und der Quantifizierung der Qualität -dem Talent-, zu tun haben. Das Potenzial ist ein Hilfsmittel, um die Ausprägungen der Anlagen, Fähigkeiten und Begabungen einordnen zu können.

Wenn wir uns einmal die Wortkreationen ansehen, die wir aus unserem (beruflichen) Alltag kennen im Zusammenhang mit dem Begriff Potenzial: Potenzialentfaltung /-entwicklung / - analyse / - ausgleich / Energiepotenzial / Leistungspotenzial, dann lässt sich diese Behauptung, dass es sich um eine Maßeinheit für die Bewertung der Talente und Fähigkeiten handelt, untermauern.

Und so verwenden wir den Begriff auch jeweils dazu, die Entwicklungsmöglichkeit von vorhandenen, aber noch nicht ausgeschöpften Möglichkeiten zu beschreiben, ein Talent was sich noch beweisen muss.

Ich möchte diesen Artikel abrunden mit der Betrachtung der Redensart: „vor den Erfolg haben die Götter den Fleiss gesetzt.“

Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass wir alle mit Talenten und Fähigkeiten bestückt in dieses Erdenleben eintreten durften. Es ist neben einem gesunden Körper und Geist vielleicht unser wertvollstes Gut. Doch dürfen wir uns nicht auf deren reinem Vorhandensein ausruhen, sondern sind aufgefordert daraus etwas zu machen, etwas zu schaffen, ein jeder auf seine eigene und ganz individuelle Art und Weise.

Mit dieser Aussage wünsche ich Ihnen noch viele weitere Reflexionen im Zusammenhang mit unseren beiden Kernbotschaften und gebe Ihnen dazu einige Assoziationen anbei:

Anlagen / Charakter / Fähigkeit / Eignung / Qualifikationen / Neigung / Begabung / Kenntnisse / Fertigkeiten / Intelligenz / Auffassungsgabe / Geschicklichkeit / Meisterschaft / Kunst / Experte / Spezialist / Leistung / Voraussetzung / Befähigung / Stärken (Schwächen) / Wunderkind / Astrologie / Ausbildung / seelisch-geistige Entwicklung / Reife / Befähigung / Leistungsbereitschaft / Motivation / Fleiß / Selbstdisziplin / Mut / Willensstärke / Beharrlichkeit

Mögen Ihnen viele Inspirationen zuteilwerden, um sich mit Freude und voller Tatendrang an Ihre aktive Entwicklung gemäß Ihren Talenten zu begeben.

Reinhilde Burg
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